Vernunftbegabt
 
Was wir schon immer über gor wissen wollten

Der Stecher von Gor


Teil 4

Rostige Nägel und Auktionen



Die Sklavin trapste artig hinter mir her.

Nicht das mich das vielleicht interessiert hätte, denn ein Krieger auf Gor, dem Planeten der auch Gegenerde genannt wird und auf dessen Boden die männlichsten Männer ihren Eid auf die Ehre und dem Stahl geschworen haben… *labber* *schwall* *bli-bla-blubb* kann sich nicht mit so unwesentlichen Kleinigkeiten wie nachtrapsenden Sklavinnen befassen.

Dennoch war ich – vorsichtig ausgedrückt – nicht so ganz unfroh darüber. Erstens einmal hatte sie mich förmlich darum angebettelt mitkommen zu dürfen, wobei das Wort „angebettelt“ eventuell um eine Nuance übertrieben ausgedrückt ist.

Um ehrlich zu sein hatte ich ihr klargemacht, dass ich nun ihr Herr bin und als sie sich noch immer verzweifelt an ihren ehemaligen Herrn geklammert hatte, der tot vor den Toren Obis lag mit etwas im Kopf das keinen Stecker hatte, hatte ich sie angebrüllt, dass es ihr fast die Haare vom Kopf zog, was aber leider wenig Wirkung zeigte. Daher schlug ich sie nieder und nahm sie einfach mit.

Zweitens läuft es sich in Gesellschaft immer etwas leichter.


Die „Täler von Zawack“ nennt sich diese verdammte Einöde in der nicht einmal ein verrosteter Nagel überleben würde. Wie kann man auch nur so hirnverbrannt sein, einen Tempel von Obi mitten in eine solche Gegend zu setzen?

Es ist ja kein Wunder, dass Männer ausrasten, wenn sie vor einem solchen Ding stehen!

Hier ist es so trostlos und stinkend langweilig, dass man schier keine andere Wahl hat, als das nächst beste Ding zu stürmen, das einem im Weg steht.

„Herr, wo ist denn eigentlich deine Kaiila?“, quiekte die Sklavin ein paar Schritte hinter mir in einem Tonfall der unschwer erkennen ließ, dass sie sich auch nicht unbedingt im Zustand grenzenloser Euphorie befand.

„Sei still und geh weiter!“, befahl ich ihr barsch.

„Oh!“, raunzte die Sklavin

Im Moment gab es – schnell mal überschlagen – zwei Dinge, über die ich absolut nicht reden wollte. Nämlich über Kaiilas im Allgemeinen und meine Ex-Kaiila im Speziellen.

Was hat sich nur die Natur dabei gedacht, ein Vieh zu erfinden, dass nur so von Garstigkeit strotzt und vollgepumpt mit Resistenz gegenüber allen Widrigkeiten der Natur Gors ausgestattet, einfach von einem Stein getroffen tot umfällt, genau in dem Augenblick wo einem alle dabei zusehen?

Am meisten nervte mich, dass letztlich dieses Biest gewonnen hatte, sie hatte mich also quasi ausgetrickst.

DIE KAIILA hatte sich den Zeitpunkt ihres Ablebens ausgesucht und nicht ich konnte ihn bestimmen! Ich hatte sie erwürgen wollen, mich mit ihr brüllend am Boden wälzen, ihr in den Bauch treten, oder sie an ihren Ohren ziehen, irgend so etwas,  aber sicher nicht mit einem Stein erschlagen!

Mit einem Stein!

Ich könnte kotzen!

Allein der Gedanke wurmte mich so sehr, dass ich schon gar keine Lust mehr hatte, meine kleine Sklavin hinter mir in einen Blitzkrieg mit meinem Fleischgewehr zu verwickeln.

Wenn es etwas ist das ich hasse, dann sind es diese neunmalklugen Lebewesen die schneller krepieren als man einen Bogen spannen kann!

Es ist ja ohnehin nicht leicht als Krieger auf seine wöchentliche Schlagzahl von Opfern zu kommen und dann fällt so ein Vieh einfach tot um.

Hätte sie nicht wanken können, die Augen verdrehen und kurz mal noch am Leben bleiben, damit ich sie in zwei Teile haken kann? Nein, denn dieser verweichlichte Huftrampel muss ja unbedingt wie ein Stück Holz umfallen und dann lustig wiehernd ins Licht wandern.

Toll! Danke vielmals!


Meine Sklavin begann plötzlich von einem Bein auf das andere zu hüpfen und sprang so eine Weile vor mir herum.

Ich lächelte.

Sklavinnen haben einfach einen natürlichen Liebreiz, eine gewissermaßen unschuldige Natürlichkeit, die einem automatisch das Herz erhellt. Sie sind immer bedacht ihren Herrn zu erfreuen, ihn aufzuheitern, auch in schweren Zeiten ihm ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wie zum Beispiel dann, wenn man in einer Art Steinwüste herumläuft, deren größtes Highlight verdorrte Büsche sind.

Ich lächelte sie an, strich ihr sanft durchs Haar und sagte mit einer Stimme, die einem Enrique Iglesias Konkurrenz gemacht hätte und vor menschlicher Wärme dermaßen überquoll, dass es fast schon kitschig wirkte: „Na, hast du gute Laune, Sklavin?“

Sie deutete auf ihr Ohr und erwiderte: „Da ist Wasser drin“ und hüpfte weiter.

Mein Stimmungsbarometer erreichte schlagartig ein Rekordtief historischen Ausmaßes.

Ja, gut, ich bin ein Krieger, bin hart wie Kruppstahl, schlage meine Beine schneller unter als eine Biene mit den Flügeln wackeln kann. Ich führe mein Schwert mit der Präzision eines Dart-Spielers und schieße – wenn es sein muss – mit meinem Bogen einer Fliege die Eier während des Fluges weg. Aber das bedeutet noch lange nicht, dass in meiner mit Granitplatten ummantelten Brust nicht ein weiches Herz schlägt!

Ich wollte einfach mit ihr reden, wollte meiner Sklavin von meinem Schmerz erzählen, wollte sie teilhaben lassen an meinen Gedanken, meinen Ängsten und diesem betäubenden Vakuum in meinem Inneren, das immer wieder ein stilles „Warum?“ brüllte, dass ich fast taub davon wurde.

Ja, ich wollte meiner Sklavin von dieser Geschichte mit der Kaiila erzählen!


Trotzig kickte ich einen Stein weg, grinste kurz, als sie über ihre kleinen Füße stolperte, tat aber so, als hätte ich es nicht gesehen.

Einen Moment lang überlegte ich ob ich sie – einfach nur aus Rache – über die Beschaffenheit von Tarnfedern zumüllen sollte.

Ein Grinsen legte sich mir bei diesem Gedanken über das ganze Gesicht und ich stellte mir vor, wie ich ohne Punkt und Komma über die Beschaffenheit der Federn des Tarns erzählen würde, die Gefahren der Dichtigkeit des gesamten Federkleides während der Mauser und so weiter und so fort. Es ist die gleiche perfide Taktik, die von den Weicheier-Männern auf der Erde ausgeführt wird, nur sind es dort keine Tarnfedern, sondern tiefer gelegte Autos.

Der Gedanke an ihren hilflosen Blick während ich in einem fort auf sie einredete, ließ mich laut auflachen.


Die Sklavin hatte diesen komplett unerotischen Hüpfgang beendet und schlurfte, sichtlich von der Sonne gezeichnet, neben mir her.


„Dein Herr, wie nannte er dich?“, gab ich ihr gnädigerweise noch mal eine Chance, sich in meiner Gunst wieder empor zu kämpfen.

„Mein Herr nannte mich Mia, Herr“, sagte sie mit vor stolz glühenden Augen.

„Miaherr?“, fragte ich verdutzt nach.

„Nein, nur Mia, Herr“, beeilte sie sich zu antworten.

„Also wie jetzt?“

„Mia“, zischte sie leise, „... Herr“.

Dumm war sie ja nicht, dass musste ich ihr schon lassen. Selbst in die Ecke gedrängt, unterlief ihr nicht der Fehler, mich nicht mit „Herr“ anzureden.


„Mia? Dein Herr nannte dich Mia?“

Sie nickte wie ein Wackeldackel auf dem Heck eines Ford Taurus nach einer Vollbremsung und sah mich dabei mit großen Augen an.

Ich war desillusioniert und meine entglittenen Gesichtszüge fielen sogar der Sklavin auf, denn ihre  Mundwinkel wechselten auf drei Tage Regenwetter und sie stammelte nur ein kurzes: „Herr?“

Toll, ganz wunderbar!

Ich hatte mich schon auf ein gemütliches: „Gut, du darfst den Namen behalten“ eingestellt. Dabei stellte ich mir eine freudig umher hüpfende Sklavin vor, die aus purer Dankbarkeit, weil sie ihren Namen behalten durfte und nicht nächtelang „neuen Namen auswendig lernen“ spielen muss, mir ein gepflegtes Standgebläse verabreichte, und mir auf diese Weise zumindest vorgegaukelt hätte, dass sie einfach nur aus Freude am existieren mir das Gehirn durch die Wirbelsäule saugen wollte. Aber stattdessen wartete sie mir den bescheuertsten Namen auf, den man sich vorstellen konnte.

„Mia?“, wiederholte ich den Namen, weil ich es einfach nicht glauben konnte.

„Er nannte dich Mia?“

„Und wo war dann das „u“ geblieben? Hat er es etwa irgendwo verloren oder was?“, blaffte ich sie an.

„Warum hat er dich denn nicht gleich „Whiskas“ getauft, hä? Musstest du etwa für deinen Herrn auch Fellknäuel ausspuken oder wie soll ich mir das jetzt vorstellen können?“

Die Sklavin die ich nie und nimmer „Mia“ nennen werde, begann ein wenig zu vibrieren, bekam einen hochroten Kopf und aus ihren Ohren stieg leichter Dampf auf.

Auch ohne einer dieser neumodischen Psychologen zu sein, kam in mir der leise Verdacht hoch, dass ich es bei meiner Sklavenmaus minimal übertrieben haben dürfte und sie gerade auf 180 – Tendenz steigend – war.

„Ne, nein, das kannst du knicken!“, schüttelte ich den Kopf und begann etwas ärgerlich den Synapsen, tief verborgen in meinen Gehirnwindungen, den Marsch zu blasen.

Jetzt war denken angesagt.

Meine Sklavenmaus schob die Unterlippe nach vorne und setzte einen Blick auf als hätte sie einen Sonnenstich erlitten, aber das ließ mich nicht erweichen. Ein neuer Name musste her und das dalli-dalli!

Auf meine Synapsen war auch nicht wirklich Verlass, denn diese drängten mir „Anne-Christin von Wendt-Wegensteihn“ auf.

Hallo?

Der Name klingt ja wie eine gefährliche Drohung, da wird man ja schon vom Hinhören impotent!

Ich lief im Kreis umher und dachte angestrengt nach. Meine Sklavin wies ich in der Zwischenzeit an, sich mit Bosk-Zählen die Zeit zu vertreiben.

Auf ihren Einwand hin, dass in dieser Einöde nicht mal ein Insekt zu finden sei, geschweige denn eine Boskherde, vertrieb ich sie mit der Peitsche in der Hand und den Worten: „Dann streng dich mal an!“

Plötzlich war sie da – die Eingebung. Das kurze Aufblitzen eines genialen Einfalles ließ den passenden Namen in diese Welt manifestieren!

Lalle.

Sie sollte „Lalle“ heißen! Ein wunderbarer Name, denn man kann ihn auch noch nach zwölf Paga aussprechen und es würde ihr keine Probleme bereiten den Namen zu üben während sie mir dienlich ist, ohne mir dabei etwas abzubeißen. Ein Umstand der nicht zu unterschätzen ist. Die Tavernen Gors sind voll von Geschichten über schreckliche Unfälle mit kastrierten Männern deren Sklavinnen so Namen hatten wie zum Beispiel „Nina“.

Mir schauderte und ich schüttelte mich.

Lalle. Dieser Name war perfekt gewesen: In jedem Zustand aussprechbar, leicht zu merken und noch dazu wirkte er nach einer gewissen Eingewöhnungszeit etwas feminin.

Ich war restlos zufrieden, pfiff die Sklavin zu mir, sah in ihre erwartungsvollen Augen und verkündete ihr das größte Geschenk, das man einer Sklavin machen kann: Ihren Namen!


„Lalle? Ich soll „Lalle“ heißen?“

Einen Moment lang deutete ich ihre aufgerissenen Augen und das vibrieren ihrer Lippen als Ausdruck schierer Freude, doch kurz darauf war ich mir nicht mehr unbedingt soo sicher.

Die nochmalige aufflackernde Erwartung eines freiwillig spontan intonierten Klarinetten-Solos, durchgeführt von meiner Sklavin auf meinem Instrument, zerplatzte so schnell es mir in den Sinn kam.

Auch mein Hinweis darauf, dass man sich diesen Namen einfach merken kann, schien sie nicht wirklich positiv zu stimmen.

Egal, ich war zufrieden.

EUR 12,90 inkl. MwSt.

204 Seiten

broschiert

ISBN: 978-3842319288

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